4. Streich

Die Kunst, den Keller auszumisten (Arbeitstitel)

Dieses Projekt habe ich gerade fertiggestellt. Ich beschreite damit neue Wege, denn die Fantasy fällt hier komplett weg. Ein Krimi im eigentlichen Sinne soll es auch nicht sein. Vielmehr ist es ein Entwicklungsroman! Ich war so vermessen, mich auf den Spuren John Irvings zu wähnen, aber dann wurde mir von berufener Seite verdeutlicht, dass ich ja wohl nicht ganz dicht, dafür aber ziemlich größenwahnsinnig bin (nicht wörtlich, aber sinngemäß). Also nicht John Irving, na gut. 

Nachfolgend nun ein für diese Seite geeignetes Exposé und eine neue Leseprobe.

 

Exposé

 

Alexander Beilschmidt ist ein in Hamburg lebender freischaffender Künstler, geschieden, Vater einer Tochter und Bilderbuch-Soziopath. Er ist chronisch unzufrieden, egoistisch und leicht reizbar, aber abgesehen davon, dass er sich für einen schlechten Vater hält, nicht sehr selbstkritisch. In seiner Sicht der Dinge ist seine Umwelt an allem schuld.

Innerhalb kurzer Zeit schafft er es, drei ihm nahestehende Menschen gegen sich aufzubringen, unter anderem seine aktuelle Freundin, die ihm nahelegt, endlich mal seinen metaphorischen Keller auszumisten. Schwer frustriert betrinkt er sich und fertigt im Suff eine Liste an, auf der sich Umstände und Ereignisse finden, die ihn bewusst und auch unbewusst schon seit längerer Zeit belasten: Ein gestörtes Verhältnis zu seinem homosexuellen Bruder, seine Mutterlosigkeit, das Verprellen seines ehemals besten Freundes, ein abrupt beendetes Verhältnis zu einer besonderen Frau und die Beichte dieses Verhältnisses an seine Ex-Frau. Nach Rücksprache mit einem guten Freund entscheidet er, diese Liste ernst zu nehmen und abzuarbeiten.

Punkt für Punkt beginnt er, sich diesen schwarzen Flecken in seiner Vergangenheit zu stellen und sie möglichst ohne Rückstände zu bereinigen. Er erzielt erste Erfolge, aber auch die ersten Rückschläge lassen nicht lange auf sich warten. Zwei Punkte sind es – die Suche nach seiner Mutter und sein Verhältnis zu der besonderen Frau – die ihm über Gebühr Probleme bereiten. Speziell der Mann dieser besonderen Frau, die inzwischen, ohne dass er davon wusste, gestorben ist, scheint auf ihn aufmerksam geworden zu sein und sich nun an ihm rächen zu wollen. Er macht ihm das Leben, speziell aber das vollständige Abarbeiten seiner Liste, mit perfiden Schikanierungen schwer.

Aber Alexander will, der unerklärlichen Verschwiegenheit und übertriebenen Aggressivität einiger beteiligter Personen, sowie seiner eigenen Fehler zum Trotz, nicht aufgeben. Langsam begreift er, dass ihm die kritische Auseinandersetzung mit den wenig ruhmreichen Schnitzern aus seiner Vergangenheit gut zu tun scheint.

Wenn er es nur schafft, alles in seinem Sinne geregelt zu bekommen, bevor sein Peiniger, dessen Aktionen in Anzahl und Heftigkeit steigen, ihm noch ernsthaften Schaden zufügt!

 

Leseprobe


 

Während Patrick sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bereits in dem alten Schaukelstuhl wiegte, der vor dem Panoramafenster meines Ateliers stand, ging ich in die Küche, um mir und meinem millionenschweren Gast ein paar Flaschen Bier zu holen. Und wo ich schon da war – ich hatte sowieso Hunger, da ich das Mohnschnecken-Wein-Mus natürlich nicht mehr gegessen hatte, ohnehin nichts hätte essen können, weil ich dafür viel zu wütend auf den Rempler und generell alle Arschlöcher dieser Welt gewesen war – entnahm ich dem Kühlschrank auch gleich einen Serrano-Schinken, den ich mir am Vortag beim Feinkosthändler in der Blankeneser Landstraße besorgt hatte. Der kam gut zum Bier und Patrick würde sich ohnehin nicht zieren, irgendwann nach etwas Essbarem zu fragen. Da ich auch noch ein Messer brauchte, um dieses dumme Stück Fleisch schneiden zu können, und mir das zusammen mit den Flaschen langsam aber sicher zu unhandlich wurde, schmiss ich alles auf ein Tablett und balancierte es in das Atelier. Patrick klebte erwartungsgemäß in meinem Schaukelstuhl und vermittelte den Eindruck, als wäre er kurz vorm Einschlafen. 

„Aufwachen, du blöder Schmarotzer!“, fuhr ich ihn an.

Patrick lächelte, als fühlte er sich geschmeichelt.

„Ich darf davon ausgehen, dass du nichts gegen ein paar Scheiben Serrano zum Bier hast?“

„Darfst du! Bitte so hauchdünn wie möglich, dafür dann gleich ein paar mehr, ja?“

Ich knurrte zur Antwort und machte mich ans Werk. Erst stellte ich das Tablett auf den Boden, um den kleinen Küchentisch aus der Ecke neben der Tür ans Panoramafenster zu tragen. Anschließend stellte ich das Tablett auf den Tisch und holte mir den Barhocker dazu, auf dem ich vor der Staffelei zu sitzen pflegte. Danach machte ich mich an das Aufschneiden des Schinkens, geduldig und voller Vorfreude beobachtet von meinem Freund Patrick. Er beobachtete auch meinen Gesichtsausdruck, was ich durchaus mitbekam, aber ich tat so, als wäre ich zu vertieft in die Arbeit mit dem Schinken und dem scharfen Messer. Wenn er wissen wollte, was mit mir los war, sollte er mich gefälligst fragen.

Ich wusste nur zu gut, dass er das auch tun würde.

„Dann mal raus mit der Sprache, welche Laus ist dir heute über die Leber gelaufen?“, forderte er mich auf, nachdem ich schon ein knappes Dutzend papierdünner Scheiben produziert hatte.

Meine Laune war sogar so schlecht gewesen, dass ich nicht mal Lust hatte, mich dumm zu stellen. „Scheißtag eben.“

Patrick beließ es vorerst dabei und trank ein paar Schlucke von seinem Bier, was meinem Verstand Zeit bot, einen Haken an seiner Frage zu entdecken.

„Was fragst du eigentlich so komisch?“, wollte ich von ihm wissen.

„Hm?“

„Welche Laus mir heute über die Leber gelaufen ist? Als wäre das ein alltäglicher Zustand bei mir, etwas Chronisches oder Obligatorisches, ein Charakterzug … etwas womit zu rechnen ist!“

Patrick lächelte nicht direkt, aber er lächelte auch nicht nicht! So pflegte er aus der Wäsche zu schauen, wenn er zur Abwechslung mal diplomatisch sein wollte. Da würde also etwas kommen!

„Lieber Alexander. Nähme ich die letzten zwölf Monate, von mir aus auch gleich das ganze letzte Jahr, betrachtete sie eingehend und würde auf dieser Grundlage eine Statistik anfertigen, die deinen vorherrschenden Gemütszustand nachvollziehen soll, käme ich zwangsläufig zu genau dem von dir skizzierten Ergebnis.“

„Aber … das ist … das stimmt doch gar nicht!“

„Ich könnte sogar noch weiter zurückgehen, von mir aus gleich ein weiteres ganzes Jahr; es bliebe dasselbe Ergebnis.“

Das ließ mich vor aufrichtiger Empörung verstummen.

„Verstehe mich bitte nicht falsch! Ich weiß deinen cholerischen Zynismus und deine liebenswert ruppige ich-zünde-euch-alle-an-Einstellung wirklich zu schätzen. Du hast Ecken und Kanten und bist nicht so ein angepasster Langweiler, der seine Fahne immer schön in den Wind hängt und alles was er von sich gibt in Watte packt, nur um niemandem zu nahe zu treten. Das schätze ich wirklich an dir!“ Er machte eine Pause, nahm einen weiteren Schluck aus der Flasche und betrachtete sie anschließend. „Außerdem bekomme ich hier immer was zu essen und zu trinken. Du sorgst für mich, bist großzügig, und allein deswegen hast du bei mir einen dicken Stein im Brett. Aber Fakt ist eben auch, dass du öfter mies drauf als gut drauf bist. Vor allem bist du leicht reizbar. Würde man auf dich und deine Laune offiziell Wetten abschließen können, würde ich immer auf miese Laune setzen und damit garantiert einen guten Schnitt machen.“ Er nahm noch einen Schluck und kniff nachdenklich die Augen zusammen. „Allerdings wären die Quoten dafür wahrscheinlich zu bescheiden, als dass es sich wirklich lohnen würde. Vergiss das mit dem Wetten.“

Das stimmte mich nachdenklich, unter anderem weil es nicht oft vorkam, dass Patrick sich zu persönlicher Kritik hinreißen ließ.

„War das gerade dein Ernst?“

„Du bist mein Freund! Ich werde niemals Wetten auf dich abschließen!“

„Das meine ich nicht!“, fuhr ich ihn an. „Das andere, mit meiner Reizbarkeit und so.“

„Ach so. Ja, auch!“

„So? Nun … weißt du, ich schätze, dass ich die Umstände der Scheidung von Julia irgendwie nicht so verarbeiten oder akzeptieren konnte, wie es vielleicht optimal gewesen wäre.“

„Blödsinn!“

Ich war es nicht gewohnt und wollte mich auch gar nicht erst daran gewöhnen, meine Statements so kommentiert zu bekommen. Selbst von einem guten Freund nicht. Entsprechend gekränkt sah ich ihn an.

„Alexander, du bist nicht erst seit deiner Scheidung von Julia so. Ich will mich jetzt nicht zu weit auf dünnes Eis hinausbegeben, aber ich hatte manchmal schon das Gefühl, dass deine Unausgeglichenheit zu ihrer Entscheidung beigetragen hat.“

Jetzt hatte er mich tatsächlich gekränkt! Ich hielt mich eindeutig nicht für dünnhäutig, weder in der Gegenwart noch in der Vergangenheit, und dass Julia mich vor allem – wenn nicht gar ausschließlich – wegen meiner Totalverweigerung in Sachen zweites Kind verlassen hatte, war kein Geheimnis. Zumindest für mich nicht.

„Oh oh, ich sehe schon, das ist jetzt nicht das richtige Thema. Vergiss einfach, was ich gerade gesagt habe, diesen Reizbarkeitsblödsinn und das Statistikgelaber. Ich wollte dich nur ein bisschen foppen. Beschränken wir uns darauf, dass du mir jetzt in aller Ausführlichkeit beschreibst, was dir der heutige Tag an Unbill aufgebürdet hat.“

Das war schon eher mein Freund Patrick. Schwierige Themen galt es konsequent zu vermeiden. Der drohende Stress war einfach ein zu hoher Preis. Außerdem waren wir Freunde, deren Aufgabe es bekanntermaßen ist, immer genau das zu sagen, was man hören wollte. Das war Patricks Sicht der Dinge und die hatte er mit mir gemein. Unter anderem deswegen waren wir so gut befreundet. Wir zogen es beide vor, möglichst an der Oberfläche zu operieren und gefährliche Untiefen zu umschiffen.

So hakte ich das vorherige Thema bereitwillig ab und arbeitete diesen speziellen Tag im Juni letzten Jahres auf, geschildert aus der Perspektive von Alexander Beilschmidt. Patrick futterte dabei den Schinken praktisch alleine auf und trank Bier, fand jedoch immer wieder die Zeit, an den richtigen Stellen zu nicken, und streute mit seiner zuverlässig arbeitenden sozialen Intelligenz an haargenau den richtigen Stellen kleinere Zwischenfragen ein, die mich dazu verleiteten, die Dramaturgie meiner Erlebnisse noch ein wenig zu überspitzen.

Ich war gerade an dem Punkt angelangt, wo der Typ in der Bäckerei das Heulen anfing, als es an der Tür klingelte.

Ich mochte es nicht, inmitten eines Erzählprozesses unterbrochen zu werden. Das brachte mich raus und haute eine Delle in den Spannungsbogen. Unter anderen Umständen hätte ich das Klingeln vielleicht ignoriert, aber ich hatte beim Bocksbeutel drei Kisten Wein bestellt und glaubte, dass die mir in diesem Moment geliefert wurden.

Beim Öffnen der Tür bot sich mir jedoch eine Überraschung. Vor mir stand ein junger Kerl, der in der einen Hand einen großen Pizzakarton von Joey’s und in der anderen eine Ledertasche hielt. Er lächelte mich ein wenig unsicher an und trällerte „Joey’s Pizza! Ihre Bestellung, Herr Beilschmidt.“

„Tut mir leid, ich habe nichts bei euch bestellt. Das ist ein Irrtum.“

Das Lächeln des Typen verlor an Herzlichkeit und er warf einen Kontrollblick auf den Zettel, den er mit seinem Daumen auf der Pizzaschachtel fixiert hatte.

„Hier steht: eine Barcelona Maxi für Alexander Beilschmidt, Beckers Treppe vier. Vor etwa einer Dreiviertelstunde online bestellt“, behauptete der junge Kerl in einem Tonfall, der keine Selbstzweifel an der Rechtmäßigkeit seiner Anwesenheit verriet.

„Das mag ja sein, aber Fakt ist, dass ich keine Pizza bei euch bestellt habe!“

Der Knabe blitzte mich böse an.

„Junge, ich sitze seit über einer Stunde mit einem Freund in meinem Atelier und unterhalte mich mit ihm. Dabei trinken wir Bier und futtern Serrano-Schinken. Ich habe in der ganzen Zeit keine Pizza bestellt und er auch nicht. Da liegt also definitiv ein Irrtum vor! Ich würde dich reinbitten, damit du ihn persönlich fragen kannst, aber so wie du gerade aus der Wäsche schaust, würdest du es dann wohl noch immer nicht glauben und fängst womöglich sogar das Randalieren an.“

Das Gesicht des Pizzaknaben wurde noch ein wenig böser.

„Sie nehmen die Pizza nicht?“

„Ich habe doch gerade gesagt, dass ich sie nicht bestellt habe! Warum sollte ich also?“

„Na toll! Die vierzehn Euro werden übrigens mir abgezogen! Ich hoffe, Sie sind zufrieden!“, ätzte er mit gerechtem Zorn und trug die Pizza wieder von meinem Grundstück.

Das war schräg gewesen, schräg genug, um es dem guten Patrick als Schlusspunkt unter meine Erzählungen von diesem missratenen Tag zu setzen.

Und so machte ich es. Ich setzte wieder bei dem Typen in der Bäckerei ein – Patricks Frage nach dem Klingler beschied ich mit der Bitte um Geduld – arbeitete mich über den Rempler weiter vor und endete schließlich beim Pizzaboten.

„Würdest du mir jetzt zustimmen, wenn ich von einem Scheißtag spreche?“, wollte ich von ihm wissen, überzeugt, dass es darauf nur eine Antwort geben konnte.

„Na ja, abgesehen von dem Wichser, der dich achtlos über den Haufen gerannt hat, habe ich nichts Schlimmes gehört. Findest du nicht, dass du übertreibst?“

Er fing tatsächlich schon wieder an! Das war ungewöhnlich, gleichzeitig aber Wasser auf meine Mühlen, was die Bewertung dieses Tages anging. Das sagte ich ihm jedoch nicht und strafte ihn stattdessen mit eisigem Schweigen.

„Siehst du, genau das meine ich. Das sind Kleinigkeiten, absolute Bagatellen, an denen du dich manchmal hochziehst. Ich liebe gerechten Zorn, und ich bleibe dabei, dass ich niemanden kenne, der den besser verschütten kann als du. Aber zum Beispiel dieser Freak beim Bäcker und gerade der Pizzabote – das sind doch eher Situationen, über die man lachen kann … und auch sollte, wie ich dir raten möchte.“

Strafendes Schweigen ließ sich schlecht eskalieren, sonst hätte ich es in diesem Moment getan. Ich hätte ihn höchstens rausschmeißen können – er hätte mir das wahrscheinlich nicht mal übel genommen, zumindest nicht lange – aber diese Blöße wollte ich mir nicht geben, auch wenn für mich feststand, dass er mich und meine Sicht der Dinge total falsch bewertet hatte.

„Alexander“, säuselte er provokant, wohl wissend, dass er mich damit nur noch weiter die Palme hinauftrieb.

„Lass das!“, presste ich durch zusammengebissene Zähne hindurch.

„Bist du jetzt beleidigt? … Du bist beleidigt! Mann, ich bin dein Freund und will dir nichts Böses. Es ist nur so augenfällig, dass du praktisch immer unzufrieden bist, mit dir, Gott und der Welt. Dabei spräche überhaupt nichts dagegen, alles viel gelassener zu nehmen. Es geht dir doch gut! Du hast deine große Leidenschaft zu deinem Beruf gemacht, kannst davon sogar sehr anständig leben, wohnst in einer Spitzenhütte in Top-Lage, hast eine tolle Tochter mit einer tollen Frau … gut, die hat dich abserviert, aber das ist jetzt schon ne Weile her und du bist auch nicht der Erste, dem das passiert ist. Dafür hast du jetzt eine nicht minder tolle Freundin und – jetzt kommt das Beste überhaupt – du hast mich, einen richtig guten Freund, der dir mit nervtötenden aber notwendigen Vorträgen wie diesem so gut wie nie auf die Nüsse geht, dafür ohne zu klagen deine Spirituosen trinkt und deine Leckerein isst.“

Das waren zu viele Dinge auf einmal, die nach meinem Dafürhalten zu vereinfacht dargestellt worden waren, von einem Menschen, der tatsächlich mein bester Freund war, von dem ich das aber gerade deswegen nicht hören wollte und schon gar nicht erwartet hatte. Ein solches Gespräch hatte ich mit Patrick überhaupt noch nie geführt. Es war eigentlich auch gar kein Gespräch gewesen, sondern eine Standpauke, und das machte es nicht besser.

Patrick stand auf und streckte sich. Sein Gesicht war auf typische Patrick-Art unbekümmert, als hätten wir uns nur über einen Film oder die Vorzüge des Frankenweins unterhalten. Wenn er so etwas wie Resignation oder gar Enttäuschung spürte, konnte man es ihm zumindest nicht anmerken.

„Ich werde dann mal wieder gehen. Danke für das Bier! Für den Schinken bedanke ich mich nicht, der hat nur meinen Appetit angeregt. Ich glaube, ich werde noch in den Hafen-Club gehen und dort ein schönes Steak essen. Wie wär’s, ich lad dich ein.“

Bei jedem anderen wäre dies ein Friedensangebot gewesen, der Versuch, eine zu scharf gerittene Attacke im Nachhinein zu entschärfen, eine Art getarnte Entschuldigung. Patrick hingegen, das wusste ich, war wirklich einfach nur hungrig und hätte mich gerne dabeigehabt. Er bereute nie etwas, von dem was er sagte, so dass es für ihn keinen Grund gab, sich zu entschuldigen.

„Ähm, nein, geht nicht. Morgen ist doch Freitag.“

Das war als Erklärung ein bisschen kurzgefasst, aber ich brauchte immer etwas länger, um von Beleidigt wieder auf Ungezwungen umzuschalten.

„Ah, ja. Freitag! Der heilige Freitag, vor dem man keine Steaks essen geht“, sagte er bedeutungsvoll.

„Komm schon! Jeden zweiten Freitag im Monat kommt doch Marie. Ich muss dieses Wochenende mit der Kleinen verbringen und darum noch ein bisschen für Ordnung sorgen. Sie petzt es glatt ihrer Mutter, wenn es hier nicht sauber genug ist.“

Patrick lachte auf. „Du musst das Wochenende mit deiner Tochter verbringen? Wieso eigentlich müssen, du Rabenvater?“

Mein Freund hatte in den knapp zwei Stunden, die er bei mir gewesen war, mit Vorwürfen, Unterstellungen und Behauptungen nicht gerade gegeizt. Es war meine ehrliche Überzeugung, dass nicht mal ein lausiger Glückstreffer dabei gewesen war, auch wenn ich später noch oft an seine Worte denken sollte.

Aber der letzte Satz von ihm, aus der Hüfte geschossen während er bereits im Begriff zu gehen war, hatte sofort gesessen.